Die mit MC FLO durchgeführten quantitativen Analysen können auch mit der in der qualitativen Analyse eingesetzten Risikomatrix kombiniert, respektive die Risikomatrix kann durch eine quantitative Analyse erweitert werden.
Schauen wir uns folgendes Beispiel (Risikomatrix.xlsx) genauer an. Hierbei haben wir vorab die Beispieldatei mit MC FLO geöffnet und eine Monte-Carlo Simulation mit 10'000 Iterationen (Beobachtungen) unter Einbezug einer "Mehrfachsimulationen" durchgeführt.
Im linken Teil sind unter "Unbestimmte Eingaben" die für den Geschäftsverlauf relevanten Treiber aufgeführt, etwa die Menge, Stueckkosten (wichtig: ohne Sonderzeichen, wie das ü), Projektkosten etc. Zusätzlich zu den klassischen Steuerungsgrössen sind weitere, auf die finanziellen Kennzahlen einwirkende Grössen, wie die Anzahl Cyberangriffe und der daraus resultierende Schaden über die Planungsperiode abgetragen. Ergänzt wird das Treibermodell um eine Korrelation, welche den Zusammenhang zwischen der (verkauften) Menge und den Stückkosten beschreibt.
Folgend das Ergebnis nach einer Simulation in Bezug auf die Variante "Hybrid":
Wir sehen, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 33% die Zielgrösse "FCF" (Free Cash Flow) unter dem Zielwert von 0 MCHF zu liegen kommt. Im Fall, dass der Zielwert anhand der verschiedenen Ausprägungen unter 0 CHF zu liegen kommt, beträgt der durchschnittliche Verlust ca. -0.12 MCHF. Im Extremfall, bei einem Conditional-Value-at-Risk von 99%, liegt der FCF bei ca. -0.3 MCHF (siehe oben rechts). Der Erwartungswert des FCF liegt insgesamt bei 0.1 MCHF.
Darunter finden sich die Top-3 Treiber in Bezug auf die Zielgrösse. An erster Stelle steht die Menge, gefolgt von den Stückkosten und dem Schaden aus Cyberangriffen ("Schaden_Cyberangriffe").
Im rechten unteren Teil der obigen Grafik ist die Risikomatrix dargestellt. Diese fasst alle relevanten Erkenntnisse in einer Graphik zusammen, welche in die Dimensionen "Bedingte Wahrscheinlichkeit" und "Bedingter Schaden" unterteilt ist und in der Überschrift Angaben zum Erwartungswert, dem Zielwert und der Ambition führt. Die Risikomatrix dient zur Beantwortung, welche Treibergrössen auf das gesuchte Ergebnis derart einwirken, dass ein bestandesgefährdender FCF mit einem Wert kleiner 0 CHF resultieren kann und somit prioritär gesteuert werden müssen (falls denn vom Unternehmen eine Steuerung möglich ist).
Im betrachteten Fall erscheinen die Treibergrösse "Menge" und "Stueckkosten" im roten Bereich der Risikomatrix. Die Variable "Schaden_Cyberangriffe" hingegen im gelben Bereich. Um diese Positionierung zu interpretieren, können wir auf den Tornadograph zurückgreifen.
Beginnen wir mit der Treibergrösse "Schaden_Cyberangriffe", welcher an 3. Stelle steht. Oben links sind im Ausgabefenster von MC FLO die Auswirkungen der Treibergrösse "Schaden_Cyberangriffe" auf den FCF ersichtlich, diese liegen zwischen ca -3 TCHF und +203 TCHF auf den FCF. Der untere Bereich von -3 TCHF liegt nur leicht unter dem Zielwert von 0 MCHF. Daher die Einordnung im gelb-roten Bereich der Risikomatrix.
Die Treibergrösse "Menge" wirkt im unteren Bereich mit knapp -0.2 MCHF auf den FCF (siehe erste vertikale Linie, welche den horizontalen Balken von "Menge" mit dem Ausmass auf der x-Achse verbindet). Der mögliche Schaden wirkt sich somit bestandesbedrohend auf den FCF aus; dieser fällt deutlich unter dem Zielwert von 0 CHF. Daher erscheint "Menge" im roten Bereich und ist prioritär zu steuern.
Schauen wir uns nun die Variante "Monopol" an.
Als Top-Treiber erscheint auch hier "Menge" an erster Stelle, gefolgt von den Stueckkosten. Ein Blick auf die resultierende Risikomatrix gibt hingegen Entwarnung aus. Keine der Treiber wird im roten Bereich der Risikomatrix dargestellt. Ein Blick auf die Daten der Statistik (oben rechts) zeigt auf, warum.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der FCF kleiner 0 CHF zu liegen kommt, ist ca. 1.6%. Der erwartete Schaden, falls der FCF unter 0 CHF fällt, ist mit -4 TCHF sehr gering. Der Erwartungswert von FCF ist aber insgesamt 400 TCHF. Es liegt somit keine Bestandesgefährdung vor. Ein zusätzlicher Blick auf die Korrelationsanalyse bestätigt den Sachverhalt.
Das Tornadodiagramm wirkt der Treiber "Menge" im unteren Bereich auf den FCF mit ca.114 TCHF, der NPV ist somit immer noch positiv. Auch die Regressionsgerade (x-Achse = "Menge", y-Achse = "FCF"), zeigt auf, dass selbst im Bereich mit der tiefsten Nachfrage der FCF im Mittel positiv ist.
Aus den genannten Gründen ist in der Variante Monopol kein Treiber wirklich steuerungsrelevant, um eine Fortführung des Unternehmens mit einem FCF von mindestens 0 CHF - gegeben die Annahmen - sicherzustellen. Die Funktionsweise der Risikomatrix basiert auf der Bayesschen Statistik, die Details können folgendem Blogbeitrag entnommen werden.
Info: Mit Version 7.8.8.0 ist die Risikomatrix (oder auch neu Entscheidungsmatrix) Bestandteil der Ausgabefenster von MC FLO und muss nicht mehr über Excel Funktionen aufbereitet werden, siehe auch Output.
Info: Update 28.02.2026