Mit Mittelwerten zum Trugschluss - oder warum japanische Autohersteller so falsch lagen

Vor einigen Jahren haben japanische Autohersteller bewusst kleinere Batterien in reinen batteriebetriebenen Fahrzeugen verbaut, mit dem Argument, dass der Durchschnitt der autofahrenden Bevölkerung am Tag nur x Kilometer fahre und das Fahrzeug diese Leistung übertreffe ("right-sizing"). Gekauft wurden diese Autos kaum.

 

Was ist schiefgelaufen? Neben all den anderen Vorhalten ist ein wesentlicher Rechenfehler dem Controlling / Business-Analysten etc. unterlaufen.

 

Nehmen wir an, dass der Durchschnitt x in einem viel befahrenen Land 136 km beträgt und das Auto eine Reichweite von 160 km pro Ladung garantiert. Es seien 1 Mio. Menschen mit dem Auto unterwegs. Gemäss dieser einfachen Rechnung beträgt das potentielle Markvolumen 1 Mio, da alle Autofahrer im Durchschnitt bedient werden.

 

Nehmen wir nun weiter an, dass 40% der 1 Mio. Autofahrer eine durchschnittliche Strecke von 25 km und 60% eine Strecke von 210 km absolvieren, was genau die 136 km im Durchschnitt über alle begründet. Sie sehen es. Mit den beworbenen 160 km Reichweite können nur 40%, also 400'000 Menschen, bedient werden. Das Marktvolumen hat sich drastisch verkleinert, obwohl der Durchschnitt immer noch gleich hoch ist.

 

Anhand einer Simulation haben wir dies abgetragen. Der Durchschnitt wird von keinem Autofahrer gefahren. Entweder werden um die 25 oder um die 210 km absolviert, aber niemals der Durchschnitt von 136 km.

Einmal mehr zeigt sich, dass das Abstützen auf Mittelwerte zu Fehlanreizen führt. Die japanischen Autohersteller haben es bitter erfahren müssen.

 

Planungen oder Forecastwerte, welche nur den Erwartungswert widerspiegeln, sind somit fehlgeleitet und führen zu falschen Entscheidungen.

 

P.S: Um 95% aller Autofahrer zufrieden zu stellen, würden in dieser einfachen Rechnung ca. 220 km Reichweite benötigt.

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